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Harris NRÜ

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01.11.2017, 08:27

Abmahnung nach Überlastungs-Anzeige

Zitat

Abmahnung nach Überlastungs-Anzeige: Göttinger Klinik verteidigt Vorgehen

In der Göttinger Asklepios-Fachklinik für Psychiatrie sind laut Verdi zwei Krankenschwestern abgemahnt worden. Sie hatten eine Gefährdungs- und Überlastungsanzeige an die Geschäftsleitung übermittelt.
Quelle: HNA [Abruf vom 01.11.2017 8:18 Uhr]

Zitat

Weil sie Geschäftsführung auf Gefährdungssituation hinwiesen: Asklepios droht Krankenschwestern und Betriebsrätin

Die Leitung der psychiatrischen Asklepios-Klinik in Göttingen (Asklepios Psychiatrie Niedersachsen GmbH) will offenbar mit allen Mitteln verhindern, dass die Beschäftigten Gefährdungs- und Überlastungssituationen dokumentieren und ihrer Geschäftsführung melden wie vom Gesetzt gefordert:

Zwei Krankenschwestern, eine von ihnen auch regelmäßig Vertreterin im Betriebsrat, hatten pflichtgemäß der Leitung schriftlich eine sog. Gefährdungs- oder Überlastungsanzeige übermittelt.

Inhalt: Aufgrund der akuten Personalsituation auf der Station könne nicht garantiert werden, dass eine Patientenversorgung in der vollen erforderlichen Qualität zu leisten sei. Der Arbeitgeber wird auf seine organisatorische Verantwortung und Haftung hingewiesen und um Abhilfe ersucht.

Statt sich jedoch dieser Meldungen anzunehmen, schickte die Geschäftsführung den Krankenschwestern Abmahnungen: Sie hätten vielmehr die Situation falsch beurteilt und mit ihrer Meldung an die Leitung eine Pflichtverletzung begangen – im Wiederholungsfall „...müssen Sie mit weiteren Konsequenzen bis zu einer Kündigung rechnen“, so die von Geschäftsführer Manfred Huppertz und Pflegedirektor Jörn Heinecke unterschriebene Abmahnung.

Beide Krankenschwestern ließen sich jedoch nicht einschüchtern, sondern klagen jetzt gegen ihren Arbeitgeber auf Löschung der Abmahnungen.
Quelle: Verdi [Abruf vom 01.11.2017 8:21 Uhr]

Ich denke, dass das eine typische Reaktion ist, die bei vielen Arbeitgebern im Gesundheitswesen, auch im BOS-Bereich, vorzufinden ist. Ähnliche Erfahrungen mussten auch schon vereinzelte Kollegen machen, die eine Überlastungsanzeige tätigen wollten. Leider konnten sich damals nicht alle Kollegen einigen, da mit bestimmten (für die Kollegen) negativen Konsequenzen gedroht wurde (Dienstplan, Nebentätigkeiten, usw.). An dem Problem Personalmangel hat sich in Bereich Leitstelle aber in den letzten 10-15 Jahren immer noch nichts geändert. In der Pflege sind solche Dinge, die nun auch den Rettungsdienst immer häufiger treffen, auch schon seit vielen Jahren bekannt. Ich denke, dass solche Reaktionen durchaus Mitarbeiter von Überlastungsanzeigen abhalten.

Gruß

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madde (05.01.2018)

Hauke

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01.11.2017, 12:47

@Harris

Je mehr ich über deinen AG lese, desto mehr komme ich zu dem Schluss, dass ihr euch alle mal einen guten Arbeitsrechtler zulegen solltet. Wenn ihr ebenfalls sowas zu befürchten habt, wie die Krankenschwestern aus dem Artikel, ist das eine Katastrophe!
“When I was a boy and I would see scary things in the news, my mother would say to me, "Look for the helpers. You will always find people who are helping.”

• Fred Rogers

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Clara Vicula (01.11.2017)

Chb

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01.11.2017, 16:21

Puh, das ist ja echt eine Unart. Alleine die Begründung, man habe die Situation falsch eingeschätzt... Das ist schon eine sportliche Aussage - immerhin getätigt, von jemandem, der weder zur Zeit an Ort und Stelle war, gegenüber ausgebildetem Fachpersonal (welches damit ja grundsätzlich sehr wohl in der Lage ist, das einzuschätzen) und dann gleich noch mit einer Abmahnung verbunden. - Das schreit ja schon fast danach, an anderer Stelle geklärt zu werden. Na ja, immerhin passiert das jetzt auch.
Dumm ist der, der Dummes tut, sagt Mama immer.

Harris NRÜ

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01.11.2017, 18:57

Ich denke, dass das für die Vorgesetzten auch einfacher ist nach unten zu scheißen als nach oben sich weiter rechtfertigen zu müssen. Mit der Androhung von Disziplinarmaßnahmen hofft man der Bewegung den Wind aus den Segeln zu nehmen. Dann hat man Ruhe. Hoffentlich.

Hauke

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01.11.2017, 21:06

Funktioniert es bei euch?
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thh

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01.11.2017, 21:47

Puh, das ist ja echt eine Unart. Alleine die Begründung, man habe die Situation falsch eingeschätzt... Das ist schon eine sportliche Aussage - immerhin getätigt, von jemandem, der weder zur Zeit an Ort und Stelle war, gegenüber ausgebildetem Fachpersonal (welches damit ja grundsätzlich sehr wohl in der Lage ist, das einzuschätzen) und dann gleich noch mit einer Abmahnung verbunden


Nach der Stellungnahme des Pressesprechers der Klinik gegenüber der HNA sei der Grund nicht, dass man die Situation falsch eingeschätzt habe. Vielmehr sei in einem Fall nicht der zuständige Vorgesetzte informiert worden, sondern man habe sich direkt an die Geschäftsleitung gewandt; im anderen Fall habe der zuständige Vorgesetzte durch zusätzliches Personal für Abhilfe gesorgt, worauf ungeachtet dessen die Überlastungsanzeige an die Geschäftsleitung gerichtet worden sei.

Insofern dürft es darauf ankommen, wie sich der Sachverhalt tatsächlich darstellt. Freilich darf man für Überlastungsanzeigen niemand abmahnen. Andererseits wird man sich kaum unter Umgehung des direkten Vorgesetzten - der für eine Abhilfe zuständig wäre und möglicherweise abgeholfen häte - an die Geschäftsleitung wenden dürfen, insbesondere dann nicht, wenn der Vorgesetzte abgeholfen hat und damit keine Überlastung mehr besteht, und insbesondere dann nicht, wenn man dann die Tatsache der Überlastungsanzeigen für die Auseinandersetzung einer Gewerkschaft (der eine der betreffenden offenbar angehört) mit der Klinikleitung nutzen möchte.

M1k3

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01.11.2017, 23:21

Wegen einem Fehler in der internen Kommunikation eine Abmahnung zu erteilen, erscheint mir allerdings harsch.
Aber vielleicht ist das ja eine gesegnete Station, wo man genug Personal hat, und einfach ein bisschen großzügiger mit de Abmahnungen ist. Solls ja bei der Pflege öfter geben hört man. :hi:
Under pressure, you don't rise to the occasion. You sink to your level of training.

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Blutverlust (03.11.2017), Manne (04.11.2017)

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02.11.2017, 05:42

Funktioniert es bei euch?
Selbstverständlich jein!

dens

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05.01.2018, 11:17

Das Urteil ist gefallen und es gibt neue Details aus der Hauptverhandlung am Landesarbeitsgericht.
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