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Sebastian Kraatz

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06.04.2018, 20:43

Rettungsdienst in NRW hält Hilfsfrist in nur zwei Städten ein

Der WDR hat ein spannendes Filmchen veröffentlicht: https://www1.wdr.de/verbraucher/gesundhe…zeiten-100.html

Zitat

Die Ergebnisse zeigen, dass alle 29 Kreise, die geantwortet haben, die empfohlene Frist von acht Minuten nicht bei mindestens 90 Prozent der Einsätze erreichen oder nicht mal anstreben.


So ganz genau weiß ich ehrlich gesagt nicht, wo ich mit meinen Kommentaren anfangen soll. Beim WDR, der hier mit halbgaren Behauptungen Ängste schürt und gefährliches Halbwissen verbreitet? Bei der sagenhaften Feuerwehr Dortmund, die sich im System der 70er wohlfühlt und auf dieser Grundlage einfach mal das bekannte "weiter so!" propagiert? Oder bei der Tatsache, dass die acht bzw. zwölf Minuten hier bunt gemischt werden und nicht viel mit der Realität zu tun haben?

Es führt kein Weg daran vorbei, dass es unbedingt und zwingend notwendig eine grundsätzliche Veränderung und Erneuerung im System Rettungsdienst benötigt. Der ÄLRD der Stadt Köln wird ja hier in meinen Augen mit völlig richtigen Argumenten zitiert, dass nämlich nicht jeder Notfall auch in der kurzen Zeit erreicht werden muss. Weil es eben weder auf eine, noch auf zehn Minuten ankommt - in vielen Fällen. Wir reden nicht über eine Reanimation, hochgradige allergische Reaktion etc., aber doch in unglaublich vielen Fällen.

Die Leitstelle wird auch wieder beschützt, anstatt einfach mal anzugehen, was nötig wäre: keine Besetzung mit rückenkranken, unmotivierten und überforderten Kollegen, sondern die Ansprüche anpassen und hochqualifiziertes Personal ausbilden, was dann eben doch in der Lage ist, Differenzierungen zu schaffen, statt immer nur zwischen zwei Kategorien plus Notarzt wählen zu können/ müssen. Mich regen solche Berichte in letzter Zeit immer mehr auf und das auch in Hinblick auf eine nach wie vor nicht vorhandene Einsicht seitens der Politik, hier mal endlich etwas angehen zu müssen.

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dens (06.04.2018), thh (07.04.2018), Blutverlust (07.04.2018)

DaniRA

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06.04.2018, 21:32

Kopier den Text und schick ihn an den WDR, Zeitungen und ein paar Lokalpolitiker ;-)

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Wenn man tot ist, ist das für einen selbst nicht schlimm, weil man ja tot ist. Schlimm ist es aber für die anderen...
Genau so ist es übrigens wenn man doof ist...

Merlin

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06.04.2018, 22:15

Meiner Meinung nach wollte der WDR für NRW gerne das tun, was der SWR für RLP und BW gemacht hat. Eine komplete Übersicht über die Eintreffzeiten des RD im Bundesland erstellen. Das ganze wird letztendlich daran gescheitert sein, dass zwar bis auf zwei alle Kreise ihre Daten eingereicht haben, jedoch zu wenige der kreisfreien Städte, die in NRW ja auch eigene Leitstellen betreiben müssen, sich nicht in dem Umfang wie erhofft beteiligt haben.

Dabei kam heraus, was dann herauskommen muss. Eine Reportage, die versucht aus wenigen Zahlen und wenigen O-Tönen/Gesprächspartnern das herzuleiten, was der Redakteur gerne berichten möchte: Der Rettungsdienst läuft nicht und der Bürger muss in ständiger Angst leben, im Falle eines Falles nicht rechtzeitig versorgt zu werden.
Die Hilfsfrist von acht Minuten ist ein Ziel, das realistisch klingt und medizinisch wünschenswert ist, aber meiner Meinung nach heute fast nicht mehr umsetzbar ist, wenn sich nicht grundsätzlich etwas im System verändert.

Die Einsatzzahlen steigen immer mehr an, dadurch muss priorisiert werden. Im Einzelfall führt dies dazu, dass der Patient, der sich subjektiv in einer Notlage befindet, länger auf den Rettungsdienst warten muss, einfach, weil es dringendere Einsätze gibt. In anderen Ländern ist diese Praxis heute schon notgedrungene, gelebte Praxis und wird auch nicht wirklich diskutiert. Hier die Kollegen aus Köln als negatives Beispiel zu nennen, ohne außer den sagenhaften "78%" Fakten zu nennen oder Gesprächspartner dazu zu haben, die andere Gründe nennen können, finde ich persönlich nicht wirklich fair.

Was ich aber wirklich nicht verstehe, ist der Fall, der zu Beginn präsentiert wird. Der Rettungsdienst kommt bei einer Reanimation erst nach zwanzig Minuten. Aber warum? Wegen der falschen Adresse! Ab dieser Erkenntnis ist der Fall für die Präsentation des Problems einfach ungeeignet und nicht zu verwerten, da die Verspätung durch menschliche Fehler (entweder des Anrufers oder des Disponenten) zustande kam und nichts mit der Organisation in sich zu tun hatte.

Fazit: Meiner Meinung nach eine ungünstige Präsentation eines durchaus vorhandenen Problems, der es jedoch an wirklich anschaulichen Beispielen und kompetenten Gesprächspartnern gefehlt hat, um die ganze "Sache" wirklich für den Laien gut runterzubrechen.
Retter auf dem Weg zur Erfahrung :rtw:

Sebastian Kraatz

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07.04.2018, 10:08

Kopier den Text und schick ihn an den WDR, Zeitungen und ein paar Lokalpolitiker ;-)

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Über Facebook erledigt.

thh

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07.04.2018, 12:12

Die Hilfsfrist von acht Minuten ist ein Ziel, das realistisch klingt und medizinisch wünschenswert ist, aber meiner Meinung nach heute fast nicht mehr umsetzbar ist, wenn sich nicht grundsätzlich etwas im System verändert.


Es wäre vielleicht zunächst ein Anfang, dieses Ziel in irgendeiner Weise zu begründen.

Die Hilfsfrist für die Feuerwehr setzt auf kalkulierte 9,5 Minuten Eintreffzeit nach Beginn der Notrufabfrage auf, die beim kritischen Wohnhausbrand eine Menschenrettung noch erlauben sollen. Dabei wird mit konkreten Zahlen (13 Minuten) für einen konkreten Fall ("Erträglichkeitsgrenze für Person im Brandrauch") kalkukliert.

Warum soll die Hilfsfrist im Rettungsdienst 8 MInuten betragen (oder 10, oder 15)? Was ist das typische Notfallbild, das einen Beginn der Versorgung genau binnen dieses Zeitrahmens erfordert?

Die Einsatzzahlen steigen immer mehr an, dadurch muss priorisiert werden.


Interessant wäre ja, ob tatsächlich die Zahlen indizierter Notfalleinsätze ansteigen oder nur die Gesamtzahl der Einsätze, bedingt durch Fehldispositionen (wobei offenbleiben kann, ob bzw. in welchem Umfang diese auf falschen Angaben beim Notruf oder Dispositionsfehlern der Leitstelle beruhen).

Im Einzelfall führt dies dazu, dass der Patient, der sich subjektiv in einer Notlage befindet, länger auf den Rettungsdienst warten muss, einfach, weil es dringendere Einsätze gibt.


Solange sich der Patient nur subjektiv in einer Notlage befindet, ist das auch kein Problem.

Was ich aber wirklich nicht verstehe, ist der Fall, der zu Beginn präsentiert wird. Der Rettungsdienst kommt bei einer Reanimation erst nach zwanzig Minuten. Aber warum? Wegen der falschen Adresse! Ab dieser Erkenntnis ist der Fall für die Präsentation des Problems einfach ungeeignet und nicht zu verwerten, da die Verspätung durch menschliche Fehler (entweder des Anrufers oder des Disponenten) zustande kam und nichts mit der Organisation in sich zu tun hatte.


Aber es ist doch ein Beispiel, das man schön präsentieren kann. Kommt es nicht darauf an? :aggressive:

Blutverlust

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07.04.2018, 14:24

Die Hilfsfrist für die Feuerwehr setzt auf kalkulierte 9,5 Minuten Eintreffzeit nach Beginn der Notrufabfrage auf, die beim kritischen Wohnhausbrand eine Menschenrettung noch erlauben sollen. Dabei wird mit konkreten Zahlen (13 Minuten) für einen konkreten Fall ("Erträglichkeitsgrenze für Person im Brandrauch") kalkukliert.

Warum soll die Hilfsfrist im Rettungsdienst 8 MInuten betragen (oder 10, oder 15)? Was ist das typische Notfallbild, das einen Beginn der Versorgung genau binnen dieses Zeitrahmens erfordert?


Dann ist aber auch die Frage wie man auf die 13 Minuten im Brandrauch gekommen ist. Ich würde mal vermuten diese Zahl ist genauso gewürfelt wie die 8/10/12/15 Minuten Hilfsfrist.

dens

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07.04.2018, 14:37

Naja ganz gewürfelt ist die Zahl nicht.
Mal "AGBF Schutzziel" Googlen, da wurden schon Zeiten berechnet und von der Zeit für die Reanimationsschwelle abgezogen.

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Chb

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07.04.2018, 20:54

Die Einsatzzahlen steigen immer mehr an, dadurch muss priorisiert werden.
Interessant wäre ja, ob tatsächlich die Zahlen indizierter Notfalleinsätze ansteigen oder nur die Gesamtzahl der Einsätze, bedingt durch Fehldispositionen (wobei offenbleiben kann, ob bzw. in welchem Umfang diese auf falschen Angaben beim Notruf oder Dispositionsfehlern der Leitstelle beruhen).

Interessanter Punkt. In unserem Rettungsdienstbereich sind die Einsatzzahlen merklich gestiegen, weshalb jetzt auch eine neue Bedarfsplanung erfolgt ist und Fahrzeuge bewilligt wurden. Laut Aussage von unserem Ärztlichen Leiter jedoch genau dieses Phänomen eingetreten: Mehr Einsätze, weniger Transporte.
Dumm ist der, der Dummes tut, sagt Mama immer.

Andrechen

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09.04.2018, 10:46

Die Hilfsfrist für die Feuerwehr setzt auf kalkulierte 9,5 Minuten Eintreffzeit nach Beginn der Notrufabfrage auf, die beim kritischen Wohnhausbrand eine Menschenrettung noch erlauben sollen. Dabei wird mit konkreten Zahlen (13 Minuten) für einen konkreten Fall ("Erträglichkeitsgrenze für Person im Brandrauch") kalkukliert.

Warum soll die Hilfsfrist im Rettungsdienst 8 MInuten betragen (oder 10, oder 15)? Was ist das typische Notfallbild, das einen Beginn der Versorgung genau binnen dieses Zeitrahmens erfordert?


Dann ist aber auch die Frage wie man auf die 13 Minuten im Brandrauch gekommen ist. Ich würde mal vermuten diese Zahl ist genauso gewürfelt wie die 8/10/12/15 Minuten Hilfsfrist.


Man darf dabei nicht vergessen, dass die Person nach dieser Zeit gefunden sein muss. Es ist schlichtweg nicht möglich. Vielleicht muss man sich aber auch mal ehrlich eingestehen, dass wir das Optimum nicht erreichen können. Es ist doch wirtschaftlich gar nicht machbar.